Figura-Pläne schaden Universität und Stadt

Die langjährige Landtagsabgeordnete (1972-1990) und Bundestagsabgeordnete (1990-2005) kritisiert die Reduzierungs- und Verlagerungspläne für Politikwissenschaft, Sportwissenschaft und Erziehungswissenschaft als undurchdacht. Inge Wettig-Danielmeier hat von 1968 bis 1972 als wissenschaftliche Assistentin am Seminar für Politikwissenschaft gearbeitet und war von 1974 bis 1986 Hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion.
Die überfallartige Aktion des Universitätspräsidenten von Figura, die Fächer „Politikwissenschaft“, „Sportwissenschaft“ und „Erziehungswissenschaft“ faktisch zu schließen, fügen der Universität und in den wirtschaftlichen Folgen auch der Stadt schweren Schaden zu. Es müsste ein Aufschrei durch Universität und Stadt gehen: was jetzt diesen Fächern droht, kann morgen mit weiteren Fächern geschehen. Nur weil ein Universitätspräsident Maß und Mitte verloren hat und der Stiftungsrat ihn nicht zur Mäßigung anhalten kann. Auf fatale Weise bestätigt sich jetzt die Kritik an der Stiftungsuniversität, die diesem Modell das Aushebeln der Wissenschaftsfreiheit vorwarf. Wenn die Universitätsspitze ohne ausreichende Diskussion mit den betroffenen Wissenschaftlern so weitgehende Entscheidungen treffen kann, dann führt der Weg der Stiftungsuniversität in die Irre.
Allein die Diskussion der Präsidentenargumente für die Veränderung der „Politikwissenschaft“ belegt, dass sich der Präsident mit diesem Studienfach kaum beschäftigt haben kann, weder mit den Wissenschaftsinhalten noch mit der Göttinger Tradition und Leistungsstärke. Seine These von der größeren Leistungsstärke Hannovers kann er nicht beweisen. Die Verlagerungsabsicht der Politikwissenschaft und ihre Schwerpunktbildung in Hannover mag kurzfristig der Soziologie zugute kommen, von den Vertretern dieses Fachs auch betrieben worden sein, mittel- und langfristig führt diese Hochschulpolitik zur wissenschaftlichen Verarmung der Sozialwissenschaftlichen Fakultät, insbesondere nachdem schon die Sozialpolitik ausgehöhlt und die Kommunikationswissenschaften reduziert wurden.
Völlig unverständlich wird diese Aktion vor dem Hintergrund in den nächsten Jahren stark steigender Studentenzahlen.
Die Präsidentenpläne vernachlässigen völlig, dass Universitäten auch Ausbildungsstätten für Berufe sind, also möglichst breit qualifizieren sollen. Die in Göttingen ausgebildeten Politik- und Sozialwissenschaftler hatten bisher sehr gute Berufs- und Aufstiegschancen, dies unterschied sie seit langem von den Soziologen.
Der Präsident der Universität misst diesen Aufgaben einer Hochschule offensichtlich nur geringe Bedeutung zu.
