Eine Schatzmeisterin "macht sich nicht nur Freunde"

GT-Interview mit Inge Wettig-Danielmeier aus Göttingen zu ihrer Wiederwahl als Bundes-Schatzmeisterin der SPD
Die frühere Göttinger SPD-Bundestagsabgeordnete Inge Wettig-Danielmeier bleibt Schatzmeisterin ihrer Partei. Auf dem Bundesparteitag wurde sie mit 339 von 444 Stimmen im Amt bestätigt. Im Gespräch mit Tageblatt-Redakteur Ulrich Schubert bewertet sie ihr Wahlergebnis, die neue Führungsspitze und ihre Aufgaben als Schatzmeisterin.
GT: Mit der Neuwahl des Parteivorstandes, Matthias Platzeck an der Spitze und der großen Koalition steht die SPD vor einem Umbruch. Wo liegen die Chancen und Risiken dieses Wechsels?
Inge Wettig-Danielmeier: Mit jedem Wechsel verbinden sich Risiken und Chancen und sie erhöhen sich mit dem Umfang des Wechsels. Die Kontinuität ist jedoch größer als der erste Blick zeigt, denn es sind sehr erfahrene Politikerinnen und Politiker in die engere Führung gewählt worden.
GT: Bedauern Sie den Rückzug von Franz Müntefering als Partei-Chef?
Inge Wettig-Danielmeier: Franz Müntefering zieht sich nicht aus der Politik zurück. Als Vizekanzler der neuen Bundesregierung behält er eine zentrale Funktion für die Sozialdemokratie. Ich begrüße die Arbeitsteilung zwischen Matthias Platzeck und Franz Müntefering, die durch Peter Struck und Kurt Beck noch erweitert wird. Wir können dadurch nur gewinnen.
GT: Wie stehen Sie zum neuen Parteivorsitzenden Matthias Platzeck - ganz persönlich, auch im Umgang miteinander?
Inge Wettig-Danielmeier: Ich arbeite mit Matthias Platzeck seit Jahren freundschaftlich zusammen und es war sein Wunsch, dass ich erneut für das Schatzmeisteramt kandidieren sollte.
GT: Sie sind seit 1991 als Schatzmeisterin im Bundesvorstand aktiv. Wollten Sie mit Ihrer Kandidatur und Wiederwahl bewusst eine regulierende Position im jungen Team einnehmen?
Inge Wettig-Danielmeier: Durch die plötzlichen Veränderungen bin ich sicherlich zu einer Trägerin der Kontinuität geworden. Meine Bereitschaft zur Kandidatur war eher davon bestimmt, dass ich die Führung vor schwierigen Entscheidungen im Unternehmensbereich nicht im Stich lassen wollte.
GT: Welche Schwerpunkte werden Sie jetzt als Schatzmeisterin setzen?
Inge Wettig-Danielmeier: Unsere Einnahmen verbessern, was wir in erster Linie durch neue Mitglieder erreichen können.
GT: Welche Änderungen wird es in der SPD-eigenen Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft geben? Wird die Frankfurter Rundschau verkauft - vor allem an wen und wann?
Inge Wettig-Danielmeier: Es gibt keinen Grund für eine Änderung unserer Unternehmenspolitik. Wir wollen 2006 die Mehrheit an der Frankfurter Rundschau verkaufen und werden dazu Verkaufsgespräche mit Interessenten Anfang des nächsten Jahres beginnen.
GT: Sie haben bei der Wahl zur Schatzmeisterin 76,4 Prozent der Delegiertenstimmen erhalten. Sind Sie damit zufrieden, oder haben Sie mit mehr gerechnet?
Inge Wettig-Danielmeier: Ich bin sehr zufrieden. Nach den Turbulenzen der letzten Wochen musste ich mit weniger Stimmen rechnen. Außerdem macht sich eine Schatzmeisterin nicht nur Freunde.
GT: Sie werden im nächsten Jahr 70. Wie lange werden Sie noch im Parteipräsidium aktiv bleiben?
Inge Wettig-Danielmeier: Ich bin für zwei Jahre gewählt, danach wird Schluss sein.
Wettig-Danielmeier ist seit 1959 Mitglied der SPD, seit 1991 Bundes-Schatzmeisterin. Von 1968 bis 1973 war sie Kreistagsabgeordnete in Göttingen, von 1972 bis 1990 Mitglied des Landtages Niedersachsen und von 1990 bis 2005 Mitglied des Bundestages.
